Du hast verdammt viel Blut verloren Bruder

Mär
2007

– ein Fernsehabend für zwei sprecher und mikrofone

Der vielversprechende Nachwuchsregisseur des Konstanzer Stadttheaters, Markus Bauer, bringt Dinge zusammen, die zusammen gehören. Nach KÖRPER IN ANDERE GESTALTEN VERÄNDERT WILL ICH BESINGEN (2005) lässt er in der neuen Inszenierung von 2006 zwei blutrünstige Amokläufer, die mordend durch ein Kriegsgebiet rasen, in Personalunion als lakonische Late-Night-Entertainer auftreten. Mit diesem Kniff gelingt ihm ein spannender Zugriff auf den Zusammenhang von Gewalt und der Wahrnehmung der Gewalt durch andere.

„was ist das woher kommt das dieses ziehen im kopf dieser moment in dem es rauscht in dem ich einem anderen die kehle durchschneide in dem ich mich als religionsbesoffener glaubenskrieger mit bomben bepackt in einen bus stelle woher kommt dieses fiepen im hirn das high-sein kurz vor der explosion“

Was ist schön daran, wenn andere bluten und der eigne Arsch ruht unversehrt im Sofa? Wo Gewalt geschieht, wo Blut in Strömen fließt, wo Menschen gequält werden, überall sitzt der Zuschauer in der ersten Reihe. Als smarte Killer und abgebrühte Talkmaster zeichnen die Darsteller von DU HAST VERDAMMT VIEL BLUT VERLOREN, BRUDER den alltäglichen Blutrausch der Massenmedien nach. Mit erzählerischer Raffinesse und immenser Wortmacht begeben sie sich auf den brachialen Weg zum finalen Massaker und vermeiden dabei zielsicher banale Antworten auf die prominente Frage nach der Herkunft der Gewalt. Stattdessen produzieren sie Bilder, die haften bleiben.


Mit Georg Melich / Georg Mitterstieler Text/Regie Markus Bauer Ausstattung Friedrich Ludmann