Dresdner Bürgerchor - Das Schattenkabinett

Apr
2007

– von Bernd Freytag

Der Dresdner Bürgerchor e.V., hervorgegangen aus dem Laienchor der Aufführungen „Orestie“, „Die Weber“ und „Lysistrata“ am Staatsschauspiel Dresden, stellt nun eine eigene Arbeit vor; unter Leitung von Bernd Freytag, Dramenautor und von jeher Chorleiter der Gruppe am Staatsschauspiel.

Freytag inszeniert eine konsequent chorische Fassung seines Stückes „Das Schattenkabinett“. Dessen drei Teile DER ARBEITGEBER – DIE HÄUSLICHE REVOLUTION – DAS PARLAMENT befassen sich mit der wachsenden Diskrepanz zwischen öffentlicher Selbstdarstellung und faktischem Bankrott des Haushaltens sowohl des Staates als auch des Individuums, welches -- obwohl kein Einzelfall -- vereinzelt in das eigene Haus verwiesen wird.

Der Arbeitnehmer, chorisch vertreten durch 12 männliche Choristen, tritt auf, um seine Lebensfassade, seine Teilhabe an der Arbeitswelt, akklamatorisch aufrecht zu erhalten. Das chorische Pendant, der Frauenchor, ist dagegen längst in der heimischen Küche verzweifelt.

Funktionslos geworden, treiben die Chöre durch Sprachwüsten auf der Suche nach neuen Haltepunkten. Nach äußerlichem Bankrott, nach „Leerlauf im Inneren“ entwerfen sie im dritten Teil Aufbrüche zwischen innerem und äußerem Haushalten.

Frauen: Das Abwaschen gibt mir Sicherheit. Ich erkenne diesen Teller – gestern noch erkannte ich diesen Teller wieder, den ich spülen wollte. Das Abwaschen hier gab mir Sicherheit.

Männer: Mit mir ist alles in Ordnung. Meiner Frau geht es auch gut. Ich interessiere mich für meine Freunde. Ich interessiere mich auch für Tiere. Gelegentlich mache ich mir Sorgen, was mit uns geschehen kann.


Mit Dresdner Bürgerchor Text / Regie Bernd Freytag Regiemitarbeit Simone Younossi Musik Mark Polscher Ausstattungsberatung Johannes Köhler