DEMETRIUS / TROLLFABRIK

Mär
2016

Schiller skizzierte im Fragment Demetrius die Geschichte eines falschen russischen Zaren, der sich für den richtigen hält. Getragen von einer öffentlichen Meinung, die weniger auf Beweisen als auf der Überzeugungskraft vermittels seines festen Glaubens an sich selbst ruht, erobert er siegreich den Kreml. Die Herzen fliegen ihm zu. Die Nachricht, dass er selbst getäuscht wurde, kommt sehr spät und kann ihn von seinem eingeschlagenen Weg nicht mehr abbringen.

Der Reiz des textlichen Materials ist das Unfertige. Ein auf Wirkungs- und Spannungsdramaturgie geschulter Autor hinterlässt Entwürfe und Überlegungen zu seiner Story, die in der Inszenierung mit aktuellem Material ergänzt werden. Schillers Wirkungsdramaturgie wird mit heutiger Medienpropaganda in Bezug gesetzt, zu der auch die sogenannten Trollfabriken gehören. Schreibende Tagelöhner überrollen Netzwerke und Kommentarseiten, provozieren und produzieren die gewollte Lesart im Sinne der Auftraggeber. Ihre Ziele entsprechen denen vieler Nachrichten- und Bildagenturen und mehr oder weniger subtil gelenkter Sender weltweit. Die einfachen Muster und die Festlegung auf eindeutig Gutes und Böses ist Staatsräson.

Der ambivalente Held, der nicht mehr zur Ehrlichkeit zurückfindet, gleicht dem Staatslenker, der seinem medial produzierten Bild zu folgen hat. Entsprechend unternimmt der TD in seiner neuesten Eigenproduktion eine Stoffsuche in Nachrichtenbildern und Waffenarsenalen der Informationskriege, um einem heutigen Typus des gespaltenen Individuums Demetrius auf die Spur zu kommen.

„Es ist eine wirklich beachtliche Leistung, wie im Berliner Theaterdiscounter die historisch verbürgte Story sehr gekonnt in die Jetztzeit überführt wird. Nichts wirkt aufgesetzt.“ Peter Nowak, Freitag Online

Zum radioeins-Interview mit Georg Scharegg zur Premiere... (21.01.2016)


Mit Leopold Hornung / Marc Ottiker / Cornelius Schwalm / Sylvia Schwarz / Kirstin Warnke Regie Georg Scharegg Raum / Video Swen Erik Scheuerling / Camila Puls de la Cruz Kostüme Elena Gaus Regieassistenz Charlotte Sofia Garraway Grafik Christiane Patic Fotografie Malina Ebert Presse Kerstin Böttcher Produktion Theaterdiscounter Medienpartner n-ost Gefördert durch Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten

Georg Scharegg, Schauspieler und Regisseur, gründete 2003 mit mehreren Mitstreitern das freie Produktionshaus Theaterdiscounter. Das Label war zunächst eine Art Manifest, das auf die Produktionsbedingungen ohne Förderungen und Infrastruktur hinwies. Im Spielplan des TD inszenierte er regelmäßig Produktionen, zuletzt Tasso-die Kunst des Redens über die Kunst. In der Schweiz entstanden und tourten 2013 die Produktionen Die Fremdenindustrie und 2015 Mamma Helvetia als dokumentarisch-theatrale Recherchen.

Kartenpreise € 13,- / ermäßigt € 8,-