Anrufung des Herrn (Martin Heckmanns)

Apr
2007

von Martin Heckmanns

via Skype

Vier Schauspieler interagieren zwischen zwei entfernten Orten – der Theaterfabrik Hamburg und dem Theaterdiscounter Berlin. Sie kommunizieren live in Ton- und Bildübertragungen via Internet. Die Inszenierung geht jedoch weit über ein modisches Spielchen mit technischen Möglichkeiten hinaus. Denn trotz der audiovisuellen Präsenz aller vier Schauspieler durch Videoprojektionen an beiden Orten bleibt die scheinbar überbrückbare räumliche und emotionale Distanz als existenzieller Riss spürbar.

Heckmanns’ Text, der anlässlich der Schliessung des Dresdner Theaters TIF entstand, und der sich auf radikale Weise mit der Frage der Existenzberechtigung des Einzelnen (Schauspielers) sowie der Brüchigkeit von menschlichen Beziehungen befasst, erfährt in dieser Inszenierung durch die prekäre Art des halb realen, halb virtuellen Zusammenkommens der Protagonisten eine sinnreiche Verschärfung. Heckmanns’ Figuren spielen -- solange die Verbindung steht -- um ihre Sichtbarkeit, sie spielen um Leben und Tod.

Rolf Kasteleiner und LA PAROLE AUX MAINS stellten sich bereits 2004 mit WARTEN AUF GODOT IN GEBÄRDENSPRACHE in außergewöhnlicher Weise der modernen Kommunikationsskepsis. In ihrer aktuellen Inszenierung setzen sie ihre radikale Befragung fort.


Mit Karine Adrover / Mélanie Fouché / David Hannak / Jérôme Veyhl Regie Rolf Kasteleiner Dramaturgie Katja Kettner Streaming Roland Laub