SMITT (Georg Klein)

Okt
2008

Uraufführung nach einer Erzählung von Georg Klein

"Wir spürten die Impulse Smitts, unmäßig stark und schwer vorhersehbar in ihrer Richtung. In solchen Fällen sind die Mienen der Kontrolle oft nicht weit von den Grimassen der bekämpften Dissidenz entfernt."

"Smitt" beschreibt ein freiwilliges "Sich-Auflösen" im System von Arbeitsabläufen und Produktionsbedingungen. Eine radikale Überidentifikation mit den Begrifflichkeiten und den Sehnsüchten, die eine Arbeit erfordert, wenn man sie perfekt erfüllen will.

Harm Jan Smitt, begnadeter Rohbilddeuter einer imaginären Wasser-, Abwasser- und Gasbehörde, ist irgendwo im Röhrenlabyrinth des Berliner Untergrunds verschwunden. Alles, was von ihm zurückbleibt, ist eine ominöse Videobotschaft. Die Analyse der Geschehnisse um Smitts Verschwinden führt zutage, dass er sich allzu obsessiv mit seiner Arbeitswelt identifiziert hat: Statt sich seiner eigentliche Aufgabe zu widmen, produzierte Smitt kryptisches künstlerisches Bildmaterial. Seine Arbeit steigerte sich zu einer subversiven Arbeitsbesessenheit und wird für den Arbeitgeber bedrohlich.

Der Schauspieler und Regisseur Sebastian Krähenbühl -- soeben mit einem Werkstipendium der Stadt Zürich ausgezeichnet -- hat sich an eine Bühnenadaption des monomanischen und absurd-skurrilen Prosatext gewagt, in dem der deutsche Schriftsteller Georg Klein den technischen Wortschatz der Röhrenspezialisten als verfremdendes Stilmittel einsetzt. Mit seinem sprachmächtigen Text schafft Georg Klein einen Gegenentwurf zu einer real existierenden Arbeitswelt, der durch seine Künstlichkeit und Musikalität einen geschärften Blick auf unbewusst gelebte Alltagsrituale ermöglicht. Gleichzeitig ist "Smitt" ein Trip in die urbane und persönliche Unterwelt. Was lauert unter der dünnen Oberfläche, die wir Wirklichkeit nennen?

Die Protagonisten dieser absurden Recherche um Smitts Verschwinden outen sich entlang von Video- und Tonsamples als unwissentlich Infizierte. Vorführer und Verführte zugleich. Ihre Stimmen vervielfachen sich, und der anfangs wissenschaftliche Vortrag wird zu feinem Gesang und Klang. Nichts hält sich mehr an die Tonnorm unseres Alltags. Dabei agieren die Schauspieler als DJs ihrer eigenen Krankengeschichte und bauen mit Mikrofon und Mischpult eifrig an der musikalischen Fieberkurve des Abends. So wird „Smitt“ zum musikalischen Psychogramm.

"Eine durchdachte, technisch ausgefeilte und gleichzeitig wunderbar verspielte Inszenierung.“
Neue Züricher Zeitung



Mit: Sebastian Krähenbühl / Andreas Schröders

Regie Sebastian Krähenbühl Video Daniel Hertli Musik Markus Schönholzer Bühne / Kostüm Francesca Merz Dramaturgie Patrick Wymann Video Aymeric Nager Bühnenbau Norbert Franke Produktionsleitung Thomas Keller