Montauk -- von Max Frisch

Mai
2011

von Max Frisch

Im Vorfeld des 100. Geburtstags von Max Frisch am 15. Mai 2011 bringt der Theaterdiscounter die erste theatrale Umsetzung des so bedeutenden wie persönlichen Prosatexts Montauk von 1975 heraus.

Mit Montauk hat der 63jährige Max Frisch eine völlig neue Art des Schreibens postuliert: keine Erfindungen, nur noch Realität. Keine Gantenbeins und Stillers, keine Geschichten die man danach für sein Leben hält. Nein, nur das streckenweise peinliche, aber auch peinlich genaue Protokoll eines realen Ausflugs mit einer jungen amerikanischen Verlagsmitarbeiterin an den Küstenort Montauk. Er will nur wiedergeben, was er im Moment denkt, ungefiltert, was sie zusammen erleben; er will aufschreiben, woran er sich jetzt erinnert: die vergangenen Ehen und Beziehungen – mit den realen Namen der Betroffenen, die damit ungefragt in die Literaturgeschichte eingehen.

Zum ersten Mal ist nun dieses Ehrlichkeitsding in einer Theaterfassung zu sehen. Eine Anordnung für zwei Schauspieler, einen Mann und eine Frau, die zwischen Konstellationen, Zeitebenen und Schauplätzen springen und dennoch immer im Moment sind, ihre Gedanken preisgeben, zu zweit den Strom des Bewusstseins treiben und sich auf ihm treiben lassen.

Die Schauspieler begeben sich mit ihrem Spiel in eine ähnliche Art von Selbstversuch, wie ihn Frisch beim Schreiben seiner Erzählung unternommen hat. Ihre Aufgabe: wahrhaftig und unprätentiös die Zeit zu zweit zu ?dokumentieren?, im Moment zu sein, erstmal nichts Erfundenes hinzuzufügen. -- Doch wie lange wird sich das Ehrlichkeitsdogma durchhalten lassen?


Dies ist ein aufrichtiges Buch, denn ich bin es, den ich darstelle. Und was verschweigt es und warum?


Montauk sorgte beim Erscheinen für Skandal: Frischs schonungslose Analyse seines „Lebens als Mann“ doch vor allem das enthaltene Protokoll der Verbindung mit Ingeborg Bachmann, die damals bereits tot war und sich folglich (im Gegensatz zu den anderen Porträtierten) nicht mehr wehren konnte, trugen Frisch heftige Vorwürfe ein. Wollte hier einer die Verkaufsquote durch private Entblößungen steigern oder ging es ihm wirklich um eine ehrliche Selbstbefragung vor der Öffentlichkeit?


Mit Ursula Renneke / Peter Jecklin Regie/ Fassung Georg Scharegg Kostüm Viola Weltgen Regieassistenz Anna Serarda Campell Rechte Suhrkamp Verlag Berlin Medienpartner zitty & der Freitag