Labyrinth -- eine Strickanleitung (Andreas Liebmann)

Jan
2008

Nach erfrischend unorthodoxen Baker-, Glauser- und Koltès-Bearbeitungen in Zürich und Chemnitz gibt die Regisseurin und Bühnenbildnerin Lina Antje Gühne ihr Berliner Debüt mit einer Adaption von Andreas Liebmanns Labyrinth.Chor. Das Stück des Schweizer Dramatikers zeigt nicht nur auf skurrile Weise, wie sich bei der irritierenden Flut an (Großstadt-)Eindrücken schnell der Faden verlieren lässt, sondern greift auch spielerisch den Mythos von Ariadne und Theseus auf.

Der Faden, das Liebesgeschenk Ariadnes, dient Theseus als Navigationssystem, um im Labyrinth bei der Vielzahl an möglichen Wegen die Orientierung zu behalten. Was aber geschieht, wenn der Held vergisst, warum er überhaupt losgelaufen ist und sich sogar das Navigationssystem verirrt?

Labyrinth -- eine Strickanleitung ist ein Stück über das Verschwinden der vertrauten Welt, den Kollaps im Alltäglichen und die Versuche einer Selbstvergewisserung: Alle scheinen mit den Leitsystemen vertraut und dem Wissen um das eigentliche Leben gewappnet zu sein, nur bei einem selbst setzt die Erinnerung aus, was man zuletzt gesagt hat. Erst wirkt man nur wunderlich und bald darauf lebt man schon außerhalb der kausalen Welt.

Drei Spieler, eine Frau und zwei Männer, begeben sich in die jeweiligen Situationen und erzählen die Geschichte gemeinsam -- als Protokollanten jenes Gefühls, „aus dem Tritt zu kommen“. So schlüpfen sie in die beschreibenden Figuren hinein (und wieder hinaus): ein Satz wird mutig begonnen und nicht vollendet, ein Lied angestimmt und abgebrochen, Wasser immer wieder zum Kochen gebracht, aber der Tee nie aufgebrüht.


Mit Helene Grass / Andreas Guglielmetti / Markus von Schwerin Von Lina Antje Gühne / Andreas Liebmann