Geschichten aus dem Wiener Wald (Ödön von Horváth)

Apr
2010

von Ödön von Horváth

Die Geschichten aus dem Wiener Wald haben siebzig Jahre nach dem Tod des Autors nichts von ihrer analytischen Schärfe und Bösartigkeit verloren. In seinen Genrebildern der Herzlosigkeit an der schönen blauen Donau verdrehte Horváth die Idylle in ihr nacktes Gegenteil. In der Fassung von Georg Scharegg werden die Stimmen und Zutaten des Stücks neu gemischt und weiter beschleunigt. Aus dem Nacheinander des Szenenbogens wird ein Simultanraum der Konflikte und Interessen, die sich bis zum programmierten Eklat aufstauen.

Horváths Pausen sind gestrichen, der Kampf zwischen Bewusstem und Unbewusstem verloren; gewonnen jedoch die perfekte Anpassung der Akteure an ihren Lebensraum, ihre ungebremste Konkurrenz auf dem Warenvertretungssektor und die unreflektierte Dummheit als intelligenteste Waffe.

Die Zuschauer sind die direkten Adressaten und Juroren dieser Profilierungszwänge auf dem nicht mehr unterschiedenen merkantilen und intimen Gebiet; Atmosphäre und Identität sind touristische Schlagwörter und Österreich der Markenname einer industriellen Produktpalette geworden.

Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie Dummheit. Das Stückmotto wörtlich nehmend entsteht ein vor Lebensgier sprühendes, humoristisches Pamphlet für den Start in der neuen Heimat des Theaterdiscounters.

Die große Idee dieses Abends funktioniert trefflich: Rund um das Publikum verschachteln sich die Szenen ineinander und dieses Nebeneinander potenziert die Dummheit und die kalten Herzen der Figuren hervorragend beiläufig. Katrin Pauly / Berliner Morgenpost


Mit Ulrike Lodwig / Mareile Metzner / Mark Fischer / Markus Heinicke / Johannes Karl bzw. Björn-Ole Blunck / Rüdiger Klink / Matthias O. Schneider u.a. Regie Georg Scharegg Raum Silke Bauer Kostüme Lotte Sawatzki / Viola Weltgen Assistenz und Choreografie Cilgia Gadola