Fortschritt

Nov
2011

/ eine Anleitung zur Kapitulation durch Stillstand nach Texten von Louis Ferdinand Céline

Ich habe drei kleine Särge, zehn Briefe mit Todesanzeigen, mindestens zwanzig Drohbriefe, zwei Messer mit feststehender Klinge, eine kleine englische Granate und fünfzig Gramm Zyanid bekommen? Man denkt in der Finsternis an mich… (Céline, „Maudits soupirs pour une autre fois“)


Willkommen zur „emotionalen Metrofahrt“ von der Erfindung der Glühbirne, über den 1. Weltkrieg und einem Zwischenstopp im kleinbürgerlichen Salon, hin zum finalen und verhängnisvollen Bordellbesuch!

FAX AN MAX zeichnet mit FORTSCHRITT (1927), einer skurrilen Komödie des französischen Schriftstellers, Arzts und Berufsprovokateurs Louis-Ferdinand Céline, das Psychogramm einer Epoche, der Zeit zwischen Pariser Weltausstellung 1900 und ausbrechender Weltwirtschaftskrise 1929 -- einer Zeit verheißungsvoller Zukunft und ausbrechendem Wahnsinns.

Sechs Figuren sezieren in einer Art Werkstatt Célines Stück Fortschritt und versuchen sich mit den Regeln der „neuen Zeit“ und einer sprunghaft beschleunigten, technologisierten Welt vertraut zu machen, in der Fliessbandarbeit das Handwerk verdrängt, der Detailhandel den Kaufhäusern weichen muss und der Strom die Nacht zum Tag macht.

Gleichzeitig nähern sie sich mit Hilfe von Geisterbeschwörungen und einer deftigen Intrige, dem Phänomen Celine: Großer Erneuerer der französischen Literatur und Verfasser hässlicher antisemitischer Pamphleten, mit denen er sich in den 40er Jahren endgültig ins Abseits geschrieben hatte. Eine beängstigend ambivalente Figur, wie geschaffen die Widersprüche, die Verirrungen und Hoffnungen des 20. Jahrhunderts zu reflektieren. Die einzige Gewissheit, die er geradezu manisch zelebriert, ist der Tod.


Mit Anne Rosset / Cathrin Störmer / Anna-Katharina Müller / Christoph Rath / Samuel Streiff / Tim Fletcher / Sandro Corbat Regie Manuel Bürgin Bühne / Kostüme Kathrine von Hellermann Dramaturgie Dominique Müller Musik Sandro Corbat Lichtdesign Michael Omlin Regieassistenz Petra Jenny Produktion Myriam Zdini / FAX AN MAX

Info www.faxanmax.ch Koproduktion Kaserne Basel Mit freundlicher Unterstützung von kulturelles. bl. / Stadt Zürich Kultur / Pro Helvetia / Migros Kulturprozent / GGG / Jürg George Bürki-Stiftung / SIS

In der Reihe Der große Kanton präsentiert der Theaterdiscounter erneut erstmals eine renommierte Freie Schweizer Theatergruppe in Berlin: FAX AN MAX. Das Team rund um Schauspieler und Regisseur Manuel Bürgin feierte 2009 mit ihrem Projekt KIM JONG IL – DER EWIGE SOHN in der Schweiz und am Festival PREMIÈRES in Strasbourg (F) Erfolge. 2010 entstand PETER DER ZWEITE, von Gaël Roth, in Zusammenarbeit mit dem DRAMENPROZESSOR (Theater Winkelwiese Zürich, Schlachthaus Theater Bern, Roxy Theater Birsfelden). Im Mai 2011 haben sie DON JUAN oder DIE LIEBE ZUR GEOMETRIE von Max Frisch inszeniert. Jetzt sind sie mit dem aktuellen Projekt FORTSCHRITT erstmals in Deutschland zu sehen.