Bunbury (Oscar Wilde)

Nov
2009

Ernst ist ein Spiel

Oscar Wildes letzter dramatischer Text befindet sich üblicherweise im festen Griff des Boulevards, und sein Originaltitel „The Importance of Being Earnest“ ist nur die erste von unzähligen, jedoch folgenlosen Pointen. Wenn man aber im Abgleich mit moderner Persönlichkeitsforschung die Aussagen der Figuren für voll nimmt und auch als ernst erachtet, zeichnen sie überdeutlich die real existierenden Paradoxien individuellen Verhaltens in der Gesellschaft.

In der Neuinterpretation werden feststehende Rollenprofile ähnlich wie die Vorstellung von einer Kohärenz des Individuums aufgegeben. Die Stück-Figuren sind nur mehr Verhaltensoptionen, strategische Stützpunkte, die eingenommen und wieder verlassen, getauscht oder gar verkauft werden können. Womit über das „wahre Ich“ – auch eines Oscar Wilde – noch nichts gesagt wäre: Die Maske ist so notwendig wie durchschaubar, so langweilig wie weise; eine „Ernsthaftigkeit im Verhalten“ hingegen „die Tarnung des Idioten“.

Die Inszenierung von Georg Scharegg reduziert das Personal der „Komödie für ernsthafte Leute“ auf vier todernste Spieler hinter mindestens doppelt so vielen Charakteren. Gute Unterhaltung!


Mit Susanne Berckhemer / Cathrin Romeis / Christoph Schüchner / Sven Tjaben Von Georg Scharegg (Regie) / Silke Bauer (Ausstattung) / Lotte Sawatzki (Kostüm) / Oliver Szewc (Technki) / Michael Müller (Dramaturgie) / Lisa Kempter (Regieassistenz)