Aktuelle Lage

THEATERDISCOUNTER EXISTENZIELL BEDROHT (Stand 19. Mai 2020)

Völlig unerwartet wurden die Räume des TD und aller Nutzer*innen der Klosterstraße 44 zu Ende August 2020 gekündigt. Unsere Pressemeldung dazu hier im PDF und unten.


Wir arbeiten mit Hochdruck an Lösungen in dieser schwierigen Situation und sind dafür im Gespräch mit Verwaltung und Politik. Es gab ein erstes Treffen mit Vertretern der Investoren und unserem direkten Vermieter. Weitere Gespräche folgen. Noch ist es sehr unklar, wie es weitergeht.

Wir listen hier neue Entwicklungen und Berichte und melden uns, wenn wir weitere aktive Unterstützung brauchen. Schon jetzt herzlichen Dank für die überwältigende Welle der Solidaritätsbekundungen!



taz.die tageszeitung – Artikel von Tom Mustroph, 19.05.2020

rbb radio 1 – Interview zur aktuellen Lage mit Georg Scharegg, 11.05.2020

rbb inforadio – Interview zur aktuellen Lage mit Ute Büsing, 08.05.2020

nachtkritik.de – Meldung und Diskussion, 06.05.2020



Theaterdiscounter – Pressemeldung (06.05.2020):
Theaterdiscounter existenziell bedroht - Räume zum 31.8.2020 gekündigt

Völlig überraschend wurden dem TD alle Räume mit einer Frist von nur vier Monaten gekündigt. Um dem Theater und seinen verbundenen Künstler*innen Perspektiven zu geben, muss jetzt auf allen Ebenen interveniert und mit Hochdruck eine Lösung erarbeitet werden, die den Spielbetrieb am Standort selbst oder auf Ersatzflächen sichert. Der TD ist als Theater und freies Produktionshaus eine für Berlin unverzichtbare Institution. Und dies auch in Zukunft!

Hinter der Kündigung steht maßlose Immobilienspekulation mit einem leider immer noch in Privatbesitz befindlichen Grundstück, das vor kurzem unter abermaliger Verdopplung der Kaufsumme veräußert wurde. Obwohl das Grundstück Klosterstraße 44 Teil des Stadtentwicklungsgebiets Molkenmarkt und damit verbundener komplexer Planungen ist, versucht der neue Eigentümer wohl brachial und einseitig Fakten zu schaffen. Die Geschwindigkeit der eingeleiteten Entmietung und angedrohten Räumung hat ein erschreckendes, nicht begründbares Tempo.

Es ist ressortübergreifender Konsens, dass die bestehenden Kulturinstitutionen und -nutzungen im Molkenmarkt geschützt sind, ausgebaut werden sollen und bei jeglicher baulichen Veränderung berücksichtigt werden müssen. Verhandlungen zwischen dem jetzigen Betreiber und Vermieter der Immobilie und dem neuen Eigentümer über eine Weiternutzung sind gescheitert. Die Strategie - sollte es denn eine geben - sind offenbar Leerstand oder noch teurere Gewerbemieten im unsanierten Objekt; ohne Rücksicht auf den Bestand oder langfristig ausgehandelte Stadtentwicklungsperspektiven.

Der Theaterdiscounter und weitere Kulturnutzer im Haus sind ein wichtiger Hebel, auf den Investor einzuwirken und ihn seine Pläne überdenken zu lassen.

Wir appellieren an alle unserer Partner in Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit, mitzuhelfen, die Existenz des TD zu sichern und Pläne für Alternativstandorte mit erhöhter Dringlichkeit und Geschwindigkeit weiter zu verfolgen. Auch sind jetzt schnelle Übergangslösungen nötig, die wir nicht alleine finden und stemmen können. Gerade in der durch Corona ohnehin für alle Kulturinstitutionen gefährlichen Lage - noch ist über den modus operandi einer Wiederbespielung im Herbst nicht entschieden - trifft diese willkürliche Entscheidung die Theaterszene Berlins in voller Härte.

Wir appellieren an den Investor, in einer Stadt wie Berlin Verantwortung für deren kulturelle Identität zu übernehmen. Sie haben keine Brachfläche oder Investitionsobjekt erworben, sondern die Heimat und den Wirkungsort einer Institution und weiterer Künstler*innen, die der Stadt am Herzen liegen. Im Namen aller Nutzer*innen des Kulturstandorts K 44 fordern wir: revidieren Sie die Kündigungen und schaffen Sie eine längerfristige und angemessene Planbarkeit für alle Betroffenen.

  • Kurzfristig müssen wir mit dem Schlimmsten rechnen und Ersatzflächen für die Herbstproduktionen anmieten, auch wenn wir nichts unversucht lassen, eine Verlängerung der Mietdauer in K44 zu erreichen. Die Kündigungen müssen zurückgenommen oder ausgesetzt werden.
  • Mittelfristig kann notfalls eine Übergangsspielstätte oder ein Provisorium als Ausweichoption dienen. Mit der Erschließung potenzieller Flächen kann nicht schnell genug begonnen werden.
  • Langfristig braucht es die verbindliche Zusage für den Bau eines neuen Theaters im Rahmen der kommunalen Bauten im Planungsgebiet Molkenmarkt.


Gerade in der jetzigen Pandemieunsicherheit sind Spielstätten wie der TD für alle Künstler*innen unverzichtbare Stützpfeiler, die zusammen das kulturelle Fundament Berlins bilden. Lasst nicht zu, dass sie ins Wanken geraten!

Wir sind zuversichtlich, auf eine breite Unterstützung in der Stadt und darüber hinaus zählen zu können – zusammen mit unserem Publikum, den mit uns kooperierenden Künstler*innen und Spielstätten sowie allen Mitarbeiter*innen. Auf die Zukunft des TD !

Georg Scharegg / Michael Müller
und das gesamte Team des Theaterdiscounters



Hintergrund und Historie: Der Theaterdiscounter wurde 2003 als freies Theaterproduktionshaus gegründet. Seit 2011 wird er von der Senatsverwaltung für Kultur als Ankerinstitution gefördert. Jährlich werden 40 Theaterproduktionen in über 130 Aufführungen gespielt. Nachdem der TD 2008 seine damalige Spielstätte an der Oranienburger Str. ebenfalls aufgrund von Investorenplänen verlor – bis zum realen Baubeginn dauerte es dann über 10 Jahre – zog das Theater 2009 in die vom jetzigen Betreiber nach langem Leerstand neu erschlossene ehemalige DDR-Fernmeldezentrale in der Klosterstr. 44. Bereits der letzte Verkauf der Immobilie 2018 hatte zu einer Verdoppelung der Miete geführt. Langfristig ist ein Neubau des Theaters im städtischen Baugebiet Molkenmarkt die favorisierte Perspektive des TD. Der Kaufpreis der Immobilie K 44 hat sich über die Jahre ebenfalls mehrfach verdoppelt. Ein Ankauf durch das Land Berlin war gescheitert.


Das Planungsgebiet Molkenmarkt ist ein von vornherein von der Allgemeinheit getragenes Projekt, da (abgesehen von K44) die meisten Flächen in Landesbesitz liegen. Hier liegt die einmalige Chance, ein zentrales Innenstadtprojekt als Modell einer neuen Nachhaltigkeit und Projekt einer aktiven Stadtgemeinschaft zu realisieren. Unterstützt bitte unsere Forderung nach mindestens 40 Prozent Kultur im zukünftigen Molkenmarkt, der dann das Haus der Statistik und die Alte Münze zu einem Kulturband verknüpft!