BAHNWÄRTER THIEL

/ nach Gerhart Hauptmann


Apr
2017

/ nach Gerhart Hauptmann

Bahnwährter Thiel hat alle Hände voll zu tun. Jeden Tag kommen mindestens zwei Züge vorbei. Im Bahnwährterhaus plärrt die ganze Zeit das Radio: „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo...“. Bei Netflix sind schon alle Filme durchgeguckt und Thiel fängt an, sie zwei, manche sogar dreimal zu gucken. „... und niemand stellt von Grün auf Rot das Licht...“

Die 1888 erschienene Novelle Bahnwärter Thiel von Gerhart Hauptmann wird erweitert um Material aus Pop und Postmoderne. Im temporeichen Spiel reflektieren die Schauspieler auf die hyperschnelle Taktung unserer Gegenwart, auf die Errungenschaften der Moderne und deren Folgen. Auch Bahnwärter Thiel kommt nicht zur Ruhe. Draußen rauscht es. Erst rasen Züge, dann Autos, dann Daten vorbei. Gestern sah das alles noch anders aus. Das Rauschen wird lauter. Thiel rennt die Schienen entlang, das Rauschen hinter ihm her, ein Stück noch, dann hat er genug. Er bleibt stehen, dreht sich um und lässt etwas Großes auf sich zu rasen…

Der erzählerischen Dynamik Hauptmanns folgend verkörpern die beiden Darsteller Felix Lüke und Jing Xiang nicht nur den Bahnwärter, sie sind zugleich auch seine Frau, seine Kinder, seine Nachbarn. Ein ganzer Kosmos, mit Körper und Stimme zweier Spieler: Hochgeschwindigkeitstheater der Superlative.


Mit Jing Xiang / Felix Lüke Regie Felix Lüke Dramaturgie Anna-Sophie Lühmann Produktion Büro Steinheimer Koproduktion Theaterdiscounter Berlin

BÜRO STEINHEIMER versammelt seit 2014 verschiedene Projekte unter einem Namen. Konstante der Arbeit ist das Interdisziplinäre in neuen theatralen Formaten: Künstler*innen aller Sparten finden in wechselnden Konstellationen die richtige Form und den passenden Ort für jede Geschichte. Auf der Suche nach starken Texten und einer Erklärung dafür, wie die Welt so geworden ist wie sie ist, greift Büro Steinheimer in seinen Arbeiten immer wieder auf Klassiker der Literaturgeschichte zurück. Diese bilden den Ausgangspunkt für die Fragen nach Fortgang und Notwendigkeit historischer, gesellschaftlicher und technischer Entwicklung. Bahnwärter Thiel ist nach Lenz (2014), Kohlhaas (2015), Aus dem Leben eines Taugenichts und Einsame Menschen (beides 2016) bereits die fünfte Auseinandersetzung dieser Art.

Kartenpreise € 15,- / ermäßigt € 9,-